Wüstenstromprojekte allenthalben
reneblog am 23. August, 2009Neue Energieprojekte braucht das Land.
Neue Erdgaskraftwerke, wenn Experten mit dem Fördermaximum 10-15 Jahre nach Peak Oil rechnen.
Beim Uran sieht es auch wirklich nicht besser aus. Die ergiebigen Erzadern werden gerade ausgebeutet, so dass in Zukunft auch hier der Förderaufwand, und damit der Preis steigen werden. Bei der Kohleförderung sind ebenfalls ähnliche Tendenzen spürbar, und es geht immer tiefer ins Erdreich hinein. In fünfzig Jahren werden die erneuerbaren Energien dominieren, nicht weil ich ein grüner Spinner bin, sondern weil kein Weg daran vorbeiführt.
Oder hofft Ihr auf die Kernfusion? Als Kernfusionskonstante gilt, dass seit 50 Jahren immer wieder der Durchbruch in 50 Jahren erwartet wird.
Da kommt jetzt das Desertecprojekt ins Spiel. Mit vielen Solarwärmekraftwerken in ariden Gebieten Nordafrikas, und des Nahen Ostens über mehrere Zeitzonen verteilt könnte ein grosser Teil der elektrischen Energie, welche Europa benötigt erzeugt werden.
Parallel dazu kommen Offshore-Windturbinen an der Küste Norwestafrikas, wo Passatwinde stärker und regelmässiger blasen. Nach Europa, und den Grossstädten Europas und Nordafrikas würde der Strom via Hochspannungsgleichstromübertragung laufen, wo die Verluste bei etwa 3-5% auf 1000 km zu erwarten sind.

Kritikpunkte zu diesem Projekt gibt es viele. Als wichtigster zementiert Desertec die Struktur von zentralen Grossverteilern, wie gehabt. Als gut gelten dezentrale Bürgerkraftwerke, am liebsten ohne die Energiekonzerne. Mag ja für Privathaushalte auf dem Land gehen, aber wie sieht es mit urbanisierten Industriezentren aus?
Ein Mix von Stromkonzernen, welche den Strom mit küstennahen Offshorewindkraftwerken, und Wüstenstrom erzeugen; sowie dezentralen Bürgerkraftwerken, ist das wahrscheinlichste Energieszenario für die nächsten 50 Jahren.

Das Desertecprojekt könnte Stromkonzernen auch dazu dienen, Strukturveränderungen, welche das Monopol der Konzerne gefährdet zu unterdrücken.
Als erstes würde die Erzeugung von erneuerbarer elektrischer Energie auf einen bestimmten Anteil des Energiemixes gedeckelt. So dass man so lange wie möglich die alten Kern- und Kohlekraftwerke nutzen kann.
Ebenfalls würde eine zukünftige Infrastruktur für eine Zeit nach den fossilen und nuklearen Energieträgern geschaffen. Später würden die Stromerzeuger die benötigten Kapazitäten einfach in der Wüste erweitern. Die Zufuhrsleitungen bestehen ja schon. Das Geld wäre auch zu genüge da.

Ein weiterer Punkt ist die instabile Lage, und der undemokratischen Regime, südlich des Mittelmeeres.
Potentaten, wie Gaddafi, Mubarak, oder wie sie alle noch heissen, denen das Wohl der eigenen Bevölkerung am Arsch vorbei geht, würden wohl für lange Zeit gestärkt. Machen wir uns doch nichts vor. Heute stützen wir Industrienationen üble Diktaturen mit dem Verkauf von Überwachungs Sicherheitstechnologie.
Es wird zwar immer wieder darüber lamentiert, dass eine Stromblockade nur bedingt nützt, da mal nicht alle Länder an einem Strang ziehen würden, und dass damit kein Geld verdient würde.
Nur möchte ich das Chaos einer zweiwöchigen Blockade in einer Grossstadt ohne Strom nicht erleben.
Ob und wie wir diese Probleme lösen können weiss ich nicht. Der Pessimist in mir sagt, dass diese Kritikpunkte wohl eintreffen werden.
Andererseits haben gerade kleinere Städte und Kommunen bessere Möglichkeiten, die Energieproduktion selbst in die Hand zu nehmen.

Für Desertec spricht der Umfang des Projektes, und die Energiemenge, welche daraus geerntet werden kann. Rund 200 Kernkraftwerke werden in den nächsten 50-60 Jahren in Europa abgeschaltet! Brennstoffmangel. PeakUran wird beim gegenwärtigen Verbrauch in 60 Jahren erwartet. Jedes neue Kernkraftwerk verkürzt die Zeit, und China will die Kernkraft in Zukunft, ebenso wie die erneuerbaren Energien massiv ausbauen.
Dasselbe gilt für den Klimawandel. Mittels den Desertecprojekten, welchem sich neuerdings auch Australien, der Iran, Indien, und die USA anschliessen, kann die Menschheit die zwei grössten Probleme für den Klimawandel einigermassen in den Griff bekommen.
Die Erzeugung elektrischer Energie generell, und die Elektrifizierung des Verkehrs auf der Strasse.
Nur der Transport über den Seeweg, und der Luftverkehr wären noch Ölgebunden. Vielleicht wären riesige transkontinentale Magnetschwebebahnen eine Lösung zum fossilfreien Container- und Gütertransport. Eine Worldmetro. Nonstop von London über die Beringstrasse nach Buenos Aires, oder Santiago de Chile.
Science Fiction?
Wir müssen nur anfangen, in solchen Dimensionen zu denken!
Links:
Desertec
Desertec Australia
Desertec India
Desertec USA




